Perspektiven
Sr 2014  307

Verfasst von Sue Rado
05. Juni 2020

Wahrnehmung und unterschiedliche Perspektiven

Verschiedene Reize, die von aussen (Bsp. Auto) oder von innen (Bsp. Bauchschmerzen) kommen, lösen den ganzen Prozess aus. Diese Reize müssen eine bestimmte Stärke haben oder ein Thema betreffen, das ohnehin unsere Aufmerksamkeit hat. Selbstverständlich müssen auch unsere Sinnesorgane intakt sein, um den Reiz überhaupt wahrnehmen zu können.

Unter „Wahrnehmung“ wird der ganze Prozess verstanden, bei dem wir über unsere Sinne Informationen gewinnen, verarbeiten, Gefühle damit in Verbindung setzen und auch die Ergebnisse, die damit ausgelöst werden. Ein Beispiel:

  • Wir SEHEN ein Auto auf uns zufahren
  • Wir ERKENNEN es als Gefahr für uns
  • unser Herzschlag beschleunigt sich und wir laufen schneller

Wenn wir von Sinnen sprechen, ist Folgendes in diesem Zusammenhang gemeint: Seh-, Gehör-, Geschmacks-, Geruchs-, Tast-, Temperatur und Schmerz-Sinn. Also nicht nur die fünf bekannten Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen), von denen wir im Alltag sonst immer sprechen. Der Wahrnehmungsprozess ist also viel umfassender, als uns das oft bewusst ist.

Verschiedene Reize, die von aussen (Bsp. Auto) oder von innen (Bsp. Bauchschmerzen) kommen, lösen den ganzen Prozess aus. Diese Reize müssen eine bestimmte Stärke haben oder ein Thema betreffen, das ohnehin unsere Aufmerksamkeit hat. Selbstverständlich müssen auch unsere Sinnesorgane intakt sein, um den Reiz überhaupt wahrnehmen zu können.

In unserem Alltag bekommen wir eine Flut von Reizen / Informationen – aber nur ein Teil davon kommt bei uns wirklich an. Je nachdem, welche „Filter“ wir haben, sehen bzw. hören oder spüren wir gewisse Dinge einfach nicht. Das ist einerseits auch gut so, denn sonst wäre unser System komplett überlastet. Andererseits macht es das zum Beispiel für die Polizei bei einem Unfall so schwierig, weil sie verschiedene Menschen zum gleichen Unfallhergang befragen – und z.T. total unterschiedliche Antworten bekommen, obwohl es sich um denselben Unfall handelt.

Wie diese Filter bei uns eingestellt sind und wirken, ist von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig:

  • Wie ist die Qualität unserer Sinnesorgane?
  • Welches Interesse besteht zurzeit an diesem Thema?
  • Bin ich im Moment speziell persönlich betroffen durch das angesprochene Thema?
  • In welchem Zusammenhang steht der Reiz mit meiner Persönlichkeit (also mit meinen aktuellen Gefühlen, meinen Bedürfnissen, meinen gemachten Erfahrungen, meinen Vorurteilen etc.)?
  • Welche Bedeutung bekommt das Thema zur Zeit in der Gesellschaft, in den Medien?
  • Geht es um Werte, die mir wichtig sind?
  • Hat das Thema Relevanz für meine Freunde, Familie und sonstigem nahen Umfeld?

Auswirkungen verschiedener Wahrnehmungen

Je nach Ihrer Persönlichkeit haben Sie also andere Filter – und dementsprechend erscheinen auf Ihrem ganz persönlichen „Radar“ andere Dinge als bei Ihrem Lebenspartner oder einem Freund. Sein „Radar“ ist in seiner Welt bzw. in seiner Persönlichkeit genauso real wie Ihr Radar in Ihrer Welt. Das führt immer wieder zur Situation, dass wir nicht verstehen können, dass jemand, der uns z.B. sehr nahe steht, etwas einfach nicht sehen und erkennen kann, obwohl oder weil es für uns doch so offensichtlich ist! Auf SEINEM Radar gibt es dieses Bild einfach nicht! Können Sie sich vorstellen, wie diese Situation zu Diskussionen führen kann – gerade in Beziehungen…?

«„Sage mir, wer deine besten fünf Freunde sind – und ich sage dir, wer du bist“»

Dieser Satz hat viel Wahrheit. Überlegen Sie einmal mit was für Menschen Sie sich umgeben:

  • Sind das positive Menschen? Menschen, die eine Chance erkennen und nützen, die nicht gleich aufgeben nach den ersten Schwierigkeiten? Menschen, die etwas beitragen und bewegen möchten und das Leben als fortlaufender Lernprozess anerkennen – und bereit sind Verantwortung zu übernehmen für ihr Leben, für ihre Erfolge – aber auch für ihre Probleme und Herausforderungen?
  • Oder haben Sie Menschen um sich, die überall Probleme sehen, immer vom schlechtesten ausgehen, anderen misstrauen und andere für ihr Glück verantwortlich machen? Menschen, die die Erwartung haben, dass die „Gesellschaft“ ihnen auf dem Silbertablett alles präsentiert, was sie vom Leben erwarten?

Ihr Umfeld sagt auch viel aus über SIE:

  • Welche Werte werden hier gelebt?
  • Wofür wird man gelobt oder getadelt?
  • Welche Lebensform wird im Alltag gesucht?
  • Worüber wird gesprochen – worüber schweigt man sich aus?
  • Wie wird die gemeinsame Zeit gestaltet?
  • Womit werden Seele, Geist und Körper genährt?
  • Wie authentisch können Sie in diesem Rahmen sein?

Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten hauptsächlich Pessimisten um sich herum geschart. Überlegen Sie sich, was es dort wohl für Gesprächsthemen gibt, wie man auf neue Ideen und Projekte reagiert, wie oft positive Gefühle wie Freude und Begeisterung gelebt werden etc.

Fazit: Ihr Umfeld formt Ihre Persönlichkeit mit – in dem Rahmen, wie Sie es zulassen. Je nach Menschen, die Sie im Umfeld haben, wird sich auch Ihre Wahrnehmung verändern. Gewisse Themen erscheinen dann einfach seltener oder gar nie auf Ihrem Radar. Und neue Themen haben es entsprechend schwer…

Wir suchen Bestätigungen!

Aus der Psychologie weiss man, dass wir alles „sehen“ was uns und unsere Meinung bestätigt. Verrückt, wenn man sich vorstellt, dass wir uns dadurch immer und immer wieder bestätigen, dass wir im Recht sind. Einfach, weil wir in unserem „Aussen“ laufend Beweise dafür finden, dass wir richtig liegen. Ebenso verrückt ist es, wenn wir uns vorstellen, wie viele neue Chancen, Denkanstösse wir verpassen, weil wir sie einfach nicht wahrnehmen. Dafür wären das vielleicht genau die Lösungsansätze, die wir so dringend brauchen in einer herausfordernden Situation!

Unser Tipp:

Um der eigenen Wahrnehmung auf die Schliche zu kommen, haben wir folgende Tipps:

  • Eigene Überzeugungen immer wieder hinterfragen und in Frage stellen
  • Ganz bewusst Feedbacks von Freunden einholen, um unser „inneres Bild“ zu überprüfen
  • Den eigenen Freundeskreis mal zu durchforsten und sich zu fragen, welche typischen Eigenheiten diese Menschen haben. Und sich dann fragen, ob diese auch bei uns vorhanden sind – und in welchem Umfange
  • Sich ganz bewusst immer wieder mit neuen Themen auseinandersetzen, z.B. mit Filmen & Büchern, die man bisher noch nie gelesen hat
  • Sich immer wieder mit neuen Menschen auseinandersetzten