Lebensmotive: Vision - Mission
Sr 2014  19

Verfasst von Rolf Rado
16. Juli 2019

Lebensmotive: Vision - Mission

Bei den Lebensmotiven - der Vision und der Mission - handelt es sich um die Inhalte und die Gewichtung der Inhalte des Lebens-Kompasses.

Mission und Talente

Die Mission ist der Grund unseres Daseins – „Lebensaufgabe“, „Berufung“ oder „ZDE – Zweck der Existenz“, wie es John Strelecky in seinem Buch „Big 5 for Life“ nennt. Die Mission gibt dem Leben einen Sinn, ist das, was uns am Morgen aus dem Bett treibt. Die Mission beantwortet Fragen wie:

  • Womit mache ich einen Unterschied im Leben von anderen?
  • Was haben andere davon, dass es mich gibt?
  • Womit gebe ich meinem Leben einen Sinn?
  • Für was genau stehe ich?
  • Was ist meine Daseinsberechtigung?
  • Was erfüllt mich mit Freude?
  • Was motiviert mich nachhaltig?

Die Basis für die Mission sind die Talente, Stärken und Begabungen, die jeder Mensch ins Leben mitbekommen hat.

In einer Organisation spricht man von einem „Mission-Statement“ oder
„Unternehmensleitbild“. Dort ist festgehalten, für was das Unternehmen
steht. Auch hier ist das Ziel, dass sich die Mitarbeitenden daran
orientieren können. Ein klares Mission-Statement, das auch gelebt wird,
zieht die richtigen Mitarbeitenden an. Menschen, die sich nicht damit
identifizieren können, werden mittelfristig das Unternehmen verlassen,
dafür werden andere, die sich angezogen fühlen, eintreten. Das hat nur
Vorteile.

Beim Menschen ist die Mission die Lebensaufgabe,
die jeder Mensch hat. Wenn wir unsere Lebensaufgabe leben, dann läuft
alles rund, wenn wir sie nicht leben, dann ergeben sich Probleme und es
drohen Krankheit, Burnout.

Lebensmotive

Motivation kommt vom lateinischen Wort „movere“ – „eine Bewegung auslösen“. Die Frage ist also, was uns wirklich wichtig ist, was uns glücklich macht, was denn Sinn des Lebens ist. Ist es Erfolg, Reichtum, Karriere, Familie, Sexualität, Freiheit?

Die Motivationspsychologen (dazu gehören u.A. Sigmund Freud, Erik Erikson, C. G. Jung, Carl Rogers, Abraham Maslow), haben sechzehn Lebensmotive definiert:

  • Macht - MA: Streben nach Einfluss, Leistung, Führung
  • Unabhängigkeit - UN: Streben nach Freiheit, Autarkie, Selbstgenügsamkeit
  • Neugier - NE: Streben nach Wissen und Wahrheit
  • Anerkennung- AN: Sterben nach sozialer Akzeptanz, Zugehörigkeiten, positivem Selbstwert
  • Ordnung - OR: Streben nach Klarheit, guter Organisation, Struktur, Stabilität
  • Sparen - SP: Streben nach Anhäufung materieller Güter und nach Eigentum, sammeln
  • Ehre - EH: Streben nach Loyalität, Moral, Prinzipien
  • Idealismus - ID: Streben nach sozialer Gerechtigkeit, Fairness
  • Beziehungen - BE: Streben nach Freundschaft, Nähe zu anderen, Humor
  • Familie - FA: Streben nach Familienleben und er Erziehung eigener Kinder
  • Status - ST: Streben nach öffentlicher Aufmerksamkeit, Titeln, Reichtum
  • Rache - RA: Streben nach Konkurrenz, Kampf, Aggressivität, Vergeltung
  • Eros - ER: Streben nach Sexualität, einem erotischen Leben, Schönheit
  • Essen - ES: streben nach Nahrung, Freude am Essen
  • Körperliche Aktivität - KA: Streben nach Fitness, Bewegung, den eigenen Körper spüren
  • Ruhe - RU: Streben nach Entspannung, emotionaler Sicherheit

Jeder Mensch wird von allen Lebensmotiven beeinflusst. Jeder hat aber
eine individuelle „Motivstruktur“; einige Motive beeinflussen stark,
andere schwach.

Damit Sie wissen, wie Sie ticken, ist es sinnvoll, eine Motivstruktur zu erarbeiten. Bewerten Sie jeder der Motive mit ++ sehr ausgeprägt, + ausgeprägt, 0 weder noch, - wenig ausgeprägt, -- überhaupt nicht ausgeprägt. Tragen Sie dann das Resultat in die nachfolgende Tabelle, indem Sie für jedes Motiv im entsprechenden Feld einen Punkt machen. Verbinden Sie dann diese Punkte.

Tab Motiv

Sie werden rasch erkennen, wo es zu möglichen Konflikten kommen könnte.

Interessant wird es dann, wenn Diagramme von zwei oder mehreren Personen übereinander gelegt werden. Bei gewissen Motiven ist es vorteilhaft, wenn sie gleich sind, beispielsweise in der Partnerschaft gleiche Motive in Beziehung und Familie. Bei anderen Werten sind Konflikte vorprogrammiert. Wenn mehrere Menschen mit den ausgeprägten Motiven Macht, Anerkennung, Ehre zusammenarbeiten, dann führt dies früher oder später zu Konflikten.

«Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man streben, nach der man sich sehnt, die man verwirklichen möchte, dann gibt es auch kein Motiv, sich anzustrengen.»

-Pablo Picasso

Lebensvision

Eine Vision ist ein mental (in Gedanken) geschaffenes Bild der Zukunft. Eine Vision ist ein Fixstern, der uns im Alltag leitet. Im Gegensatz zu einem Ziel, das erreicht werden kann, ist eine Vision wie ein Horizont, der dir Richtung vorgibt. Die Vision harmoniert mit den Werten und der Mission und ist langfristig ausgerichtet. Es ist das Thema, das unser Leben umspannt.

Eine kraftvolle Vision macht uns glücklich und hilft uns auch bei Rückschlägen oder in schwierigen Zeiten wieder aufzustehen und Richtung Vision weiterzumarschieren. Eine Vision hat den Vorteil, dass wir alle unsere Tätigkeiten, Vorhaben und Ziele darauf überprüfen können, ob sie uns unserer Vision näher bringt. Ist dies nicht der Fall, dann lassen wir es sein oder buchen es ab unter „Just for Fun“.

Eine Lebensvision ist sehr individuell und sollte alle Lebensbereiche umfassen.

Mit einer klaren Vision können wir auch effektiv und effizient leben und arbeiten. Effektivität bedeutet das Richtige tun, Effizienz bedeutet etwas mit möglichst geringem Aufwand tun. Nun können wir zwar effizient in eine Richtung laufen, wenn wir nach einigen Jahren bemerken, dass es die falsche Richtung war, kann dies sehr frustrierend sein. Daher macht es Sinn zu überlegen, was ist für mich das Richtige, was ist für mich meine Lebensvision. Erst dann möglichst effizient in diese Richtung laufen.

«Meine Mutter sagte einst zu mir: “Wenn du ein Soldat wirst, wird aus dir ein General; wenn du ein Priester wirst, wird aus dir der Papst.” Stattdessen wurde ich ein Maler – und aus mir wurde Picasso.“»

-Pablo Picasso

Und wie erstelle ich eine Lebensvision?

So etwas ist nicht so schnell zwischendurch erledigt, da braucht es schon etwas Zeit, Offenheit, Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, viel Herz und Humor. Nehmen Sie sich beispielsweise ein Wochenende frei, fahren Sie in die Natur und machen Sie sich Gedanken dazu, wie Ihr Leben aussehen sollte, ohne Druck, ohne Stress. Arbeiten Sie intuitiv, hören Sie auf Ihr Unterbewusstsein. Anfänglich sind die Resultate vielleicht noch etwas vage. Das macht nichts, so lange wir uns immer mal wieder damit beschäftigen, werden sie reifen.

Idealerweise halten Sie Ihre Resultate anschliessend auf einer Zielcollage fest, die Sie zuhause so platzieren, dass sie immer ersichtlich ist und Sie immer wieder daran erinnert werden.

Und dann kommen Sie ins Handeln. Arbeiten Sie permanent an Ihren Zielen, an Ihrer Vision, auch wenn es nur kleine Schritte sind. Hauptsache, sie gehen nicht verloren. Ins Handeln kommen kann auch der Besuch eines Seminars sein, wo Sie in angenehmer Atmosphäre und unter Anleitung Ihren Lebenskompass erarbeiten.